Die ganz einfache Lösung

Es ist schon interessant, wie einige Länder, die sonst so auf Ihre durch und durch demokratische Traditionen pochen, Ihren eigenen Niedergang zelebrieren.

Eigentlich nimmt man es ohne größeres Erstaunen zur Kenntnis, dass ein Medienzar die Regierung in Großbritannien fast wie Marionetten geführt hat. Rechtsstaat, Schutz der Privatsphäre, Rücksichtnahme sind für diese Journaille offensichtlich Begriffe, die nur dann zur Anwendung kommen dürfen, wenn es denen bei ihrem schmutzigen Geschäft hilft.

Jetzt kann man nach Herzenslaune auf Herrn Murdock einprügeln. Aber das läuft aus meiner Sicht komplett am Problem vorbei, hilft sogar dabei, es zu verschleiern.

Das eigentliche Problem ist nämlich aus meiner Sicht, dass da ein Land – Mutterland der Demokratie – auf den Hund kommt. Man fand es dort richtig, eine Klassengesellschaft entstehen zu lassen, wie wir es hier nur noch aus Erzählungen kennen. Man fand es richtig, Bildungschancen nach Einkommen zu verteilen. Man fand es richtig, Gesundheitsvorsorge und damit auch Überlebenschancen nach Einkommen zu verteilen. Man fand viele Dinge richtig, die Großbritannien immer weiter zurückgeworfen haben zugunsten weniger, die daraus ihren Vorteil ziehen.

Man fand es auch richtig – und das ist eigentliche am schlimmsten – sich vollständig von einer Finanzindustrie abhängig zu machen, die man jetzt aufgrund dieser Abhängigkeit nicht mehr in die dringend erforderlichen Schranken verweisen kann. Da hat sich ein Land in die Hände von Interessenvertretern gegeben. Demokratische Willensbildung wurde offensichtlich ein großes Stück weit zugunsten dieser Interessenpolitik vernichtet.

Aber in einem weiteren angelsächsischen Land sieht es nicht viel besser aus. In den USA ringen Republikaner und Demokraten um die Zahlungsfähigkeit des Landes.

Jetzt tut alle Welt so, als ob das Anheben der Schuldenobergrenze das Problem lösen würde. Tut es nicht! Bei der grotesken Verschuldung kann ich mir noch nicht mal mehr vorstellen, dass Sparen hilft. Das zeigt auch ein Blick nach Griechenland. Auch dort haben Steuern für einige bestenfalls den Charakter von unverbindlichen Anfragen gehabt.

Das Grundproblem ist vergleichbar mit dem in Großbritannien. Auch in den USA hat es eine deutliche Entwicklung in Richtung Dienstleistung und insbesondere Finanzmarkt gegeben. Die Idee, dass Dienstleistungen erst mit dem bezahlt werden können, was mit Produktion verdient wurde, kommt jetzt erst dem ein oder anderen in den Sinn. Was wurde Herr Greenspan für seine Finanzpolitik gefeiert. Heute sieht er selber, welch große Fehler er zu verantworten hat. Sein größter Fehler ist aus meiner Sicht gewesen, dass er einem der schlimmsten Präsidenten in der amerikanischen Geschichte nicht Einhalt geboten hat. Was Präsident Bush jr. allein mit seinem gegen jedes Völkerrecht verstoßendem Krieg im Irak angerichtet hat, ist weder hinsichtlich des politischen noch des finanziellen Schadens auf lange Jahre wieder zu reparieren.

Und wenn dann ein Land erst so richtig auf den Hund gekommen ist, dauert es auch nicht lange, bis Fundamentalisten, die letztendlich nur für Industrieimperien instrumentalisieren lassen, mit den einfachen Lösungen, kommen. Diese Fundamentalisten heißen überall anders. In den USA ist es die Tea-Party-Bewegung. Die wollen den Staat am liebsten ganz abschaffen. Dass sie damit auch die Zivilisation abschaffen, verstehen die nicht.

Diese Tea-Party hält die Regierung von Präsident Obama für von Kommunisten durchsetzt. Dem setzt diese Tea-Party die Vision einer Anarchie entgegen, denn nichts anderes entsteht, wenn es keinen Staat mehr gibt.

Aber die Lösungen sind so schön einfach. Das kennen wir aus der Geschichte und das geht auch immer gleich aus.

Das bisschen Schummeln

Ich bin schon erstaunt, was sich da rund um die Plagiatsvorwürfe gegen Herrn zu Guttenberg abspielt.

Da wird er bei einem Betrug ertappt – denn um nichts anderes handelt es sich da -, von dessen eigentlichem Ausmaß noch niemand wirklich weiß und allerorten bemüht man sich, das als eine Bagatelle darzustellen. Weil er ja so ein guter Minister und so unglaublich symphatisch ist.

Es ist aber überhaupt keine Bagatelle, weil er sich mit diesem Betrug einen Vorteil verschafft hat. Es ist schon ein Unterschied, ob sich ein Freiherr zu Guttenberg um eine Stelle bewirbt oder ein Freiherr Dr. zu Guttenberg.  

Wenn dieser Betrug bei der Promotion entdeckt worden wäre, hätte man ihn schlicht und einfach exmatrikuliert und den Titel hätte er auch in den Wind schreiben müssen. Da kann man jetzt doch nicht so tun, als ob das alles ein Kavaliersdelikt wäre.

Am besten erzählt man dann morgen wieder seinen Kindern, dass sie nicht betrügen dürfen, z. B. Musik nicht illegal kopieren.

Eindeutig, das gehört bestraft. Selbstverständlich hat er dann sein Amt zurückzugeben. Er kann sich ja gerne wieder ohne Doktortitel bewerben. Daran hindert ihn niemand.

Es grüßt

Ihr

Reiner Allerdissen

Ein ganz persönlicher Mauerfall

Am Wochenende waren wir in Sperenberg, oder besser gesagt in der Gemeinde Am Mellensee. Seit dem Mauerfall ist das unsere Partnergemeinde. Wir haben dort die Ausdehnung der Partnerschaft von der Gemeinde Sperenberg auf die Gemeinde Am Mellensee feierlich begangen.

Eins ist mal sicher: Dort weiß man, wie man Gäste empfängt und eine solche Veranstaltung ausrichtet. Das war – wie man so schön sagt – ganz großes Tennis.

Leider wurde dort ein Mordanschlag auf mich verübt, dem ich nur knapp entkommen bin. Das Ding nannte sich Eierjäger und bestand aus Jägermeister gemixt mit Eierlikör. Ich denke, so was ist für rituelle Waschungen oder ähnliches geeignet, trinken kann man es jedenfalls auf gar keinen Fall.

Aber was mich tief bewegt hat, war die Begegnung mit einem Mann, der mir seine persönliche „Wendegeschichte“ erzählt hat. Er war in der DDR ein Mann in herausgehobener Stellung bei der Volkspolizei. Seine Frau war ebenfalls in verantwortlicher Position in einem Betrieb tätig. Da war es natürlich ein persönlicher Weltuntergang, als durch den Mauerfall alle Ideale zerstört waren, mit denen er sich für den Staat DDR eingesetzt hat. Übrigens nicht in Kadavergehorsam, sondern durchaus auch kritisch. Wie er mir berichtete, war er immer gegen die Reisebeschränkungen, weil er der festen Überzeugung war, die Allermeisten kommen wieder zurück.

Jedenfalls standen die beiden vor den Trümmern Ihrer Ideale. Es muss bodenlos gewesen sein. Sie hatten sogar die fürchterlichste Konsequenz in Erwägung gezogen. Und ich kann sehr wohl nachvollziehen, dass einem so etwas in den Sinn kommt.

Und heute? Heute ist dieser Mann ein allseits geachteter Ortsvorsteher, also nichts weniger als ein Repräsentant unserer Demokratie. Steht zu seiner Geschichte, aber vertritt trotzdem Ideale des Staates, der ursprünglich der des Klassenfeindes war. Das alles gipfelte in dem Satz: „Sie wissen ja Herr Allerdissen: Sie können es als Bürgermeister auch nicht allen recht machen.“

Niemand sollte vergessen, dass dieser Satz von einem Mann gesagt wird, der es Zeit seines Lebens gewohnt war, in einem totalitären System eine Entscheidung in aller Regel unbeeinträchtigt durchzusetzen.

Ich habe einen riesigen Respekt vor dieser gigantischen Lebensleistung. Mehr Respekt als vor den vielen Wendehälsen und den ewig Selbstgerechten, die immer schon im Besitz der absoluten Wahrheit waren.

Ich gestehe auch ein, dass ich von mir nicht mit Sicherheit behaupten könnte, zu solch einer Leistung fähig zu sein.

Übrigens meine ich, dass ein Grund für diesen Respekt vor einem doch so anderen Deutschland bei ihm in einem kleinen Nebensatz versteckt war: „Ich weiß nicht, ob wir auch die Größe gehabt hätten, mit den Funktionsträgern Westdeutschlands so umzugehen, wie man mit uns umgegangen ist, wenn die Mauer in die andere Richtung gefallen wäre“.

Es grüßt

Ihr

Reiner Allerdissen

In was für einem Land leben wir eigentlich???

Natürlich ist es eine Katastrophe, was dort in Duisburg geschehen ist. Ich will mir gar nicht das Grauen ausmalen, mir und meiner Familie wäre das zugestoßen. Niemanden bringt einem das Kind, die Freundin, den Bruder wieder, der dort sein Leben verloren hat.

Aber vor einigen Tagen habe ich einen Schock bekommen. Da zitterten Bilder über den Fernseher, auf denen eine Puppe am Galgen baumelt. Jetzt möchte man meinen, man ist sonst wo auf dieser Welt unterwegs. Weit gefehlt: Was die Nachrichten in einem öffentlich-rechtlichen Sender dort zeigten, war eine Demonstration vor dem Rathaus in Duisburg. Und der Kommentar sagte: Da baumelt ein Mensch am Galgen um sich dann schnell zu verbessern – Eine Puppe.

Nein, das ist keine Puppe, das ist ein Mensch, der da am Galgen baumelt!!! Da findet eine Hexenjagt ohnegleichen statt. Bisher habe ich immer gedacht, dass Verantwortung – auch politische – nach einer Untersuchung festgestellt wird. Davon ist in den Medien keine Rede mehr. Sogar die Parteifreunde reihen sich in diese Hetze ein, wie Herr Bosbach, der den Rücktritt von Herrn Sauerland zur Charakterfrage erhebt. Und das, obwohl sich viele Ungereimtheiten ergeben haben. Allein eine ursprüngliche Zahl jenseits der Millionen Besucher, aus der nach neuesten Meldungen 150.000 Besucher werden, zeigen doch, dass nicht annähernd alle Informationen auf dem Tisch liegen, die es braucht, um solche Konsequenzen zu fordern.

Und dann wird auch süffisant darauf hingewiesen, dass Herr Sauerland seine Pensionsansprüche verliert, wenn er zurücktritt, auch die aus seiner Zeit als Lehrer. Nach dem Motto: Dem geht es nur ums Geld. Leider hat man das erst berichtet und recherchiert wird dann.

Da soll ein Mensch systematisch zerstört werden in seiner persönlichen aber auch materiellen Existenz. In einem Rechtsstaat darf so etwas nicht sein. Vielleicht gesteht man auch Herrn Sauerland zu, völlig schockiert zu sein, mit dieser Situation nicht umgehen zu können. Ich könnte es mir für mich vorstellen. Dann eine Puppe am Galgen baumeln zu sehen und wissen, wer gemeint ist, widert mich an. Es wäre Aufgabe aller Vernünftigen, diesem abscheulichen Treiben eine eindeutige Absage zu erteilen.

Sicher haben insbesondere die Angehörigen ein Recht darauf zu wissen, wer die Verantwortung für dieses Desaster trägt. Da kann auch am Ende dabei herauskommen, dass Herr Sauerland diese trägt. Aber ich glaube nicht, dass da vor dem Rathaus die Angehörigen demonstriert haben.

Heute baumelt diese Puppe am Galgen und morgen….

Es grüßt

Ihr

Reiner Allerdissen

Wie stellt man denn das Sparen an, Teil II

 Hurra!!!!

Deutschland ist wieder reich!!!!  Wir müssen nämlich – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – 20 Mrd. Euro weniger Schulden machen als vorgesehen.

Und schon stellt sich die altbekannte Kakophonie derer ein, die jetzt wieder aus dem Vollen schöpfen wollen. Steuersenkungen sind jetzt nach deren Auffassung das Gebot der Stunde.

Nein, das ist es nicht!

Freuen wir uns darüber, dass der Schuldenberg ein ganz klitzekleines bisschen weniger wächst als ursprünglich befürchtet. Haben wir aber bitte Angst davor, dass z. B. die Krankenkassen im nächsten Jahr 11 Mrd. Euro Minus machen und nicht wenige davon ausgehen, dass das gesamte System darüber kollabieren könnte.

Irgendwie habe ich den Eindruck, einige wollen einfach nicht kapieren, dass wir uns in einer überaus gefährlichen Situation befinden. Keinesfalls ist die Finanzkrise zu Ende. Da kann durchaus nochmal das Gleiche passieren, was uns in den vergangenen Wochen und Monaten mit Griechenland, Spanien etc. passiert ist. Nur mit dem Unterschied, dass wir dann noch nicht mal mehr vorspiegeln können, wir hätten das Geld, um mit irgendwelchen Rettungsschirmen dagegen halten zu können.

Sparen ist jetzt das Gebot der Stunde.

Ich erlebe es z. Z. in Paderborn, wo der Bürgermeister sich auf den Weg gemacht hat, das Ruder rum zu reißen. Jetzt reiben sich alle verwundert die Augen, dass sich die von Einsparungen Betroffenen mit allen Kräften zur Wehr setzen. Das ist doch mehr als verständlich, sie vertreten eben ihre Interessen. Aber es ist eben die Aufgabe der Politik, dann Stand zu halten. Das heißt wahrlich nicht, sich nicht mit den Argumenten der Kritiker auseinanderzusetzen. Da kann und muss sicherlich manches nachjustiert werden. Aber am Ende alle auf seiner Seite zu haben, ist doch eine Illusion.

Und natürlich passieren bei so etwas Stockfehler. Das ist dann bedauerlich und das wurde und wird ja auch zum Ausdruck gebracht. Aber am Kurs muss jetzt auf jeden Fall festgehalten werden. Sonst gehen uns ganz andere Sachen verloren, als die, die in der aktuellen Paderborner Diskussion genannt werden.

Eine Anmerkung hätte ich dann noch: Da regen sich einige wohlfeil auf, weil der Bürgermeister seine Sparvorschläge erst nach der Landtagswahl auf den Tisch gelegt hat. Ja und? Und wenn es so wäre, ich hätte ernsthafte Zweifel am gesunden Menschenverstand des Bürgermeisters, wenn er das in dieser Situation nicht gemacht hätte. Ich sage meiner Frau jedenfalls auch erst, dass ich eine neue Gitarre gekauft habe, wenn ich vorher für eine Unmenge guter Laune bei Ihr gesorgt habe.

Es grüßt

Ihr

Reiner Allerdissen

Koalitionsgerangel oder Warum fehlender Machtinstinkt was Feines ist…

Es ist schon eine Weile her, dass ich auf meine Tante SPD stolz war. Jetzt bin ich das. Und zwar weil Hannelore Kraft das gemacht hat, was in dieser Situation das einzig richtige ist: Nämlich weder mit den Linken noch der FDP noch der CDU zu koalieren.

Mit den Linken geht es schon deshalb nicht, weil uns das Gleiche ereilen würde, was jetzt auf Bundesebene mit der ehemaligen Liebesheirat zwischen CDU und der FDP passiert. Der Hauptgrund für viele, bei der Bundestagswahl die FDP zu wählen, war der Zeitgeist. Nur die Wenigsten haben erkannt, für welche Politik diese Partei steht. Und diejenigen, die es erst jetzt erkennen, entziehen der FDP nun die Zuneigung. Dass die CDU dabei mit unter die Räder kommt, nennt man dann wohl Kollateralschaden. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft Frau Merkel und andere CDU-Minister sich die Große Koalition mit der SPD zurückwünschen. Noch weniger möchte ich mir vorstellen, z. Z. der Lehman-Brothers Pleite hätte die derzeitige Koalition die Verantwortung gehabt. Mit Verlaub, da schüttelt’s mich.

Wie gesagt, genau so wäre es uns mit den Linken ergangen. Aber auch mit der Politik, für die die Linke derzeit steht, kann man schlicht keine verantwortliche Politik für dieses Land gestalten. Basta!

Die FDP ist so meilenweit von sozialdemokratischer Politik entfernt (manchmal denke ich , inzwischen auch von christdemokratischer), dass ich mir nie vorstellen konnte, wie ein Koalition mit dieser Partei, in welcher Konstellation auch immer, funktionieren sollte. Ich bin froh, dass das Thema vom Tisch ist.

Die Grünen sind natürlich eine Option. Dafür müssen aber einige Essentials stimmen. Zunächst das gesamte politische Umfeld. Und das besagt, dass es eigentlich nur in Form einer Minderheitsregierung gehen kann. Das muss man aus vielerlei Gründen nicht wollen. Dazu kommt, dass auch die Koalitionsverhandlungen so laufen müssen, dass es Sinn macht. Nach allem, was ich gehört habe, war das aber nicht der Fall.

Bleibt nur die CDU. Ich glaube, was das Inhaltliche angeht, wäre das noch nicht mal so ein großes Problem. In Sachen Bildungspolitik hätten sich die Konservativen bewegt, da bin ich sicher. Sie haben ja am Ende bei den eigenen Bürgermeistern in den Städten und Gemeinden keine Zustimmung mehr gehabt, weil die Schulrealität und die Schulpolitik in Düsseldorf überhaupt nicht mehr zusammen passten. Auch auf den anderen Politikfeldern hätte man sich nach meiner festen Überzeugung einigen können.

Aber die SPD hat von Großer Koalition erst mal auf Jahre die Schnauze voll. Nach den Erfahrungen in Berlin will niemand in der SPD nun auch in Düsseldorf nachher für eine gute Politik vom Wähler abgestraft werden, während die CDU die Lorbeeren erntet.

Und dann kommt das Schärfste: Da wirft man – ich meine es waren die Grünen – Hannelore Kraft vor, sie hätte fehlenden Machtinstinkt. Man muss sich das mal auf Zunge zergehen lassen: Einer Politikerin mangelnden Machtinstinkt vorwerfen, weil sie eine Menge sehr guter inhaltlicher Gründe hat, z. Z. keine  Koalition mit den vorgenannten Parteien einzugehen.

Ich erinnere mich, dass eben der alles bestimmende Machtinstinkt der Politikerinnen und Politiker doch für die Politikverdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger verantwortlich sein soll.

Ich kann nur hoffen, dass Hannelore Kraft bei ihrer Linie bleibt.

Das schließt nicht Koalitionen für alle Zeiten aus. Aber das Signal, nachdem die SPD nicht um jeden Preis an die Macht will und noch weniger in eine Koalition geht, scheint angekommen. Das wird sicher dafür sorgen, dass zukünftige Koalitionsverhandlungen konstruktiver geführt werden.  

Es grüßt

Ihr

Reiner Allerdissen

Ein Rücktritt der besonderen Art

Für mich, wie für sicherlich die meisten Anderen kam es völlig überraschend, als der Bundespräsident zurückgetreten ist. Erst wollte ich die Meldung gar nicht glauben. Dies, obwohl ich nach seiner Äußerung zu den Bundeswehreinsätzen schon gedacht habe, dass es erstaunlich ist, wie schnell er nach der Wiederwahl in die Kritik kam. Sei es, weil er für lange Zeit abgetaucht schien oder weil seine Äußerungen Anlass für zu viele Interpretationsspielräume gaben.

Ich kann auch verstehen, dass er eine besondere Qualität des Respektes für sein Amt einfordert. Ich kann aber nicht verstehen, warum er gerade bei seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr so empfindlich reagiert. Eins bleibt doch festzuhalten: Wenn er nach seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr „richtig stellt“, dass der Einsatz am Horn von Afrika gemeint war und nicht der in Afghanistan, dann hat er bei seiner ursprünglichen Äußerung einen Fehler gemacht. Nicht so schlimm, aber dann kann es schon mal Kritik geben.

Und wenn der Bundespräsident Köhler sich als ein Amtsträger versteht, der zu den wichtigen aktuellen Themen Stellung nimmt – was ich gut finde – ist damit nun mal verbunden, dass er auch ein Teil der Diskussion ist.

Nein, ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, da hat jemand übereilt hingeworfen. Vielleicht gibt es ja noch andere Gründe, die ihn letztendlich dazu bewogen haben. Die bisher von ihm angeführten Gründe reichen jedenfalls für mich bei weitem nicht, um solch einen Schritt zu unternehmen. Da tritt ja dann nicht jemand von irgendeinem Vereinsvorsitz zurück, es ist immerhin das höchste Amt im Staate.

Wie stellt man denn das Sparen an?

Ich bin nun wirklich weit entfernt davon, ein Freund des Herrn Koch, Ministerpräsident in Hessen, zu sein. Dafür gibt es auch viele hervorragende Gründe.

Aber jetzt hat er etwas getan, was meine volle Unterstützung findet. Er hat nämlich gesagt, wir sollten uns überlegen, ob wir die Garantie für Betreuungsplätze von Unter-Dreijährigen in dieser Situation noch finanzieren können. Er meint, es wäre besser, diese Regelung mindestens auszusetzen.

Jetzt sage ich nicht, dass ich der Meinung bin, dass diese Garantie aufgegeben werden sollte. Das ist auch völlig zweitrangig. Wichtig finde ich, dass da jemand ein konkretes Einsparziel nennt. Denn dazu ist die Politik derzeit schlicht zu feige. Aber es kann so nicht weitergehen. Heute reden wir über Betreuungsgarantien, Rettungsschirme für was weiß ich wen und was. Nur das alles können wir auch nur mit Geld bezahlen, was noch niemand verdient hat. Und das Fremdwort dafür lautet: Schulden.

Sollen sie sich doch hinsetzen und mehrheitlich beschließen, dass die Garantie für die U3-Betreuung nicht ausgesetzt wird. Sie sollen aber nicht wieder aufstehen, ohne gesagt zu haben, wo sie das Geld einsparen wollen.

Politik ist nämlich nicht Wohltaten verteilen, ohne an das Morgen zu denken. Politik ist nach meinem Verständnis, sich die vorhandene Masse an Geld und anderen Ressourcen anzuschauen und dann nach jeweiliger politischer Ausrichtung zu verteilen. Das heißt aber am Ende: Wenn das Geld alle ist, gibt’s nichts mehr zu verteilen.

Und nun merket auf: Das heißt auch, dass, wenn gespart werden muss, man nach der jeweiligen politischen Ausrichtungen die Einsparungen zusammenstellen muss! So einfach ist das! Einfach weiterwurschteln gefährdet am Ende diesen Sozialstaat.

Wahlkampf und Schule

Zur Zeit steht ja die Schulpolitik wieder im Fokus, weil Landtagswahlkampf ist und jeder meint, die zündende Idee zu haben. Da ich natürlich als Bürgermeister dieses Thema für die zukünftige Entwicklung Borchens im Auge haben muss, nutze ich jede Gelegenheit, mich zu informieren. Einer dieser Termine war die Podiumsdiskussion der zur Landtagswahl angetretenen Vertreter der Parteien im Michaelskloster.

Eins ist mal sicher: Es gibt kein ungeeigneteres Umfeld für die Diskussion dieses Themas als ein Wahlkampf. Mir dämmert, warum die Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, dass die Schulpolitik Bundesangelegenheit werden soll.

Ich will einfach nicht, dass da Ideologien die Diskussion bestimmen.

  • Ich will nicht, dass Eltern zunehmend wütend werden, weil sie den Schulwunsch Gesamtschule abgelehnt bekommen, weil keine ausreichenden Kapazitäten da sind.
  • Ich will nicht, dass insbesondere in den ländlichen Gemeinden bald Hauptschulen ersatzlos wegfallen, weil die Eltern ihre Kinder einfach nicht mehr da anmelden wollen. Allen gut gemeinten Förderungen durch die Landesregierung zum Trotz.
  • Ich will nicht, dass Betriebe zunehmend die Schulbildung in ihren Betrieben vermitteln, weil Schulen das nicht mehr hinbekommen.

 

Ist das denn so schwer zu kapieren?   

Es geht doch um Kinder und Jugendliche und deren Zukunft. Es sind wenig genug und wir werden dringend auf sie angewiesen sein.

Ich appelliere an alle, die Verantwortung für dieses Thema tragen, endlich gemeinsam an einem Strang zu ziehen, eine Bestandsaufnahme über die Schulsituation zu machen und dann einen Weg für die Zukunft zu finden, der vor allem eins ist: Verlässlich!

Das Gegenteil von Verlässlich ist, wenn alles mit jeder neuen Landesregierung wieder in seinen Grundfesten erschüttert wird.

Ihr

Reiner Allerdissen

getötete Soldaten in Afghanistan

Schon wieder sind deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz umgekommen. Für mich, vielleicht für viele meiner Generation, ein völlig unfassbarer Vorgang. Wir waren einfach der festen Überzeugung, dass Deutsche nie wieder in einem Krieg mittun. Und nun gewöhnen wir uns sogar langsam daran.

Aber für mich ist das nicht der Moment, über Sinn und Unsinn dieses Afghanistaneinsatzes zu spekulieren. Im Moment muss es ausschließlich um das Schicksal der getöteten Soldaten und ihrer Angehörigen gehen. Wir dürfen aber auch nicht die Soldaten vergessen, die dort in Afghanistan Dienst tun. Denn wir haben sie dort hingeschickt.